HNO-Wiesbaden
 

Akupunktur bald Kassenleistung?

Da viele Patienten die Akupunktur wünschen und selbst die Weltgesundheitsorganisation WHO die Nadeltherapie bei 54 verschiedenen Erkrankungen als ergänzende Methode für sinnvoll erachtet, hat die Techniker Krankenkasse Ende 2000 ein Modellvorhaben Akupunktur begonnen. "Wenn es ein ausgeprägtes Bedürfnis gibt, wollen wir die Methode unseren Versicherten anbieten - vorausgesetzt allerdings, dass ihre Wirksamkeit belegt ist", erklärt TK-Vorstandsmitglied Dr. Christoph Straub die Beweggründe.

Im Rahmen des noch bis 2008 laufenden Modellvorhabens, an dem inzwischen 13 weitere Kassen teilnehmen, sind bisher rund 250.000 Patienten von etwa 10.000 niedergelassenen Ärzten behandelt worden. Um möglichst viele wissenschaftliche Fragen beantworten zu können, besteht die Studie aus drei Teilen. "Wir wollten einen Standard schaffen, der weltweit Wertigkeit hat", betonte Prof. Dr. Stefan Willich, Direktor des Instituts für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charitä in Berlin. Der Behandlungszeitraum beträgt jeweils drei Monate, bei der jetzt vorgelegten Zwischenauswertung erfolgten in dieser Zeit durchschnittlich zehn Akupunktur-Sitzungen.

 

Ergänzende Akupunktur signifikant besser als alleinige Routinetherapie

Von den Studienteilnehmern, die zusätzlich zu einer herkömmlichen Therapie (z.B. Schmerzmittel) eine Akupunktur erhielten, berichteten zwischen 73 und 90 Prozent von einer Besserung. Erhielten die Patienten hingegen nur die Routinebehandlung, ließen die Beschwerden nur bei etwa 25 bis 30 Prozent nach. Damit schnitt die Akupunktur bei allen erfassten Krankheitsbildern signifikant besser als die Routineversorgung. Nach der Akupunktur berichteten beispielsweise neun von zehn Allergikern sowie drei von vier Patienten mit Kopf- oder Lendenwirbelsäulenschmerzen, ihnen würde es besser gehen. Arthroseschmerzen, Asthma, Halswirbelsäulenschmerzen und Unterleibsschmerzen während der Menstruation besserten sich bei etwa vier von fünf Patienten durch die chinesische Nadelbehandlung. Diese positiven Effekte blieben über ein halbes Jahr bestehen.

Noch nicht einmal jeder zehnte Patient gab an, Nebenwirkungen der Akupunktur beobachtet zu haben. In den meisten Fällen waren es Blutungen oder Blutergüsse an der Einstichstelle, die wenig belastend und typisch sind. "Die Studie belegt zweifelsfrei die Wirksamkeit der Akupunktur auch bei weit verbreiteten Volkserkrankungen", erklärt Dr. Bernd Ramme von der Deutschen Akademie für Akupunktur und Aurikulomedizin e.V. (DAAAM).

 

Unterschied zwischen echter und Minimal-Akupunktur unklar

 

Zu einem erstaunlichen Ergebnissen kam schließlich der Studienteil, der die Akupunktur mit einer so genannten Minimal-Akupunktur vergleicht. Letztere dürfte nach den bisherigen Erkenntnissen der chinesischen Medizin eigentlich nicht wirksam sein, weil die Nadeln nur minimal und nicht in Akupunkturpunkte gestochen werden. Ziel eines derartigen Vergleichs ist es, die spezifische Wirksamkeit der "echten" Akupunktur zu belegen und unspezifische, beispielsweise psychische Effekte auszuschließen. Auch hier schnitt die Akupunktur-Gruppe bei Patienten mit Migräne, Lendenwirbelsäulen- und Arthrose-Schmerzen zwar wieder deutlich besser ab als die Routinetherapie. Doch nur bei den Arthrose-Schmerzen erzielte die Akupunktur bessere Ergebnisse als die Minimal-Akupunktur. Bei den anderen beiden Erkrankungen hatten der Ort und die Art des Stechens kaum einen Einfluss auf die Effektivität. "Wir waren von dem Ergebnis sehr überrascht. Es wird wohl noch lange zu Diskussionen führen", so Willich. Seines Erachtens muss jetzt geklärt werden, ob die Akupunktur bei unterschiedlichen Erkrankungen womöglich unterschiedlich wirkt.

Hat die Plazebo-Akupunktur einen ähnlichen Effekt wie die Nadelung spezifischer Akupunkturpunkte, so deutet das eher auf eine mangelhaft durchgeführte Behandlung hin, unterstreicht hingegen Dr. Ramme.

Bundesausschuss will über Aufnahme in den Leistungskatalog beraten

 

Die Auswertung wird dem Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen übermittelt, der voraussichtlich noch dieses Jahr erneut darüber berät, ob die Akupunktur in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherungen aufgenommen wird. "Ich erwarte, dass die Frage geprüft wird wie sonst üblich und gehe davon aus, dass dann eine Aufnahme in den Leistungskatalog erfolgt", hob Straub hervor. <i></i>

<i>Quelle: Pressekonferenz "Ergebnisse der TK-Akupunktur-Studie" am 22. Januar 2004 in Berlin - HNO Wiesbaden 2004</i>